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Aufruf!!!

Wir bitten um Zusendung jeglicher Zeitungsveröffentlichungen, aus sämtlichen Schubladen des Dachbodens und Kellerräumen, die jemals über ein Mitglied der Familie "Rüddel" veröffentlicht wurden.

 

Ein Bürgermeister kennt kein Alter

Aktuell

960 Gemeinden im nördlichen Rheinland-Pfalz wählen einen Bürgermeister. Doch manchen Kommunen fehlt ein Bewerber. Dabei ist das Amt des Bürgermeisters doch eine tolle Aufgabe - finden ein Lehrer (30) und ein Landwirt (84). Das Alter spielt da nur eine Nebenrolle.

Ein durchschnittlicher Händedruck dauert zwei Sekunden. Wenn Josef Rüddel seinem Gesprächspartner die Hand gibt, hält er fest. Gefühlte Minuten. Der ehemalige Landwirt lässt nicht einfach los. Weder bei der Begrüßung noch bei seinem Ehrenamt. Rüddel ist seit 45 Jahren Ortsbürgermeister der Gemeinde Windhagen (Kreis Neuwied) und denkt nicht an einen Abschied aus der Kommunalpolitik. Der 84-jährige CDU-Politiker kandidiert für eine weitere Amtsperiode. Seine zehnte. Er ist der älteste Kandidat im nördlichen Rheinland-Pfalz.

Im Gegensatz zu Andreas Rath. Der Gymnasiallehrer für Geschichte und Sozialkunde hält sich an die Zwei-Sekunden-Regel. Vielleicht, weil er noch nicht so viel zu verlieren hat. Der 30-jährige SPD-Mann bekleidet noch kein Bürgermeisteramt, hat aber gerade den zweiten Anlauf gestartet, um Ortschef der Gemeinde Hillscheid (Westerwaldkreis) zu werden - und er bewirbt sich, nicht zu vergessen, auch auf den hauptamtlichen Bürgermeisterposten der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen. Würde er die Wahl gewinnen, wäre er damit einer der jüngsten Verwaltungschefs einer Kommune an Rhein und Mosel.

Zwei Menschen, zwei Generationen, das gleiche Ziel, für das sie viel in Kauf nehmen müssen. Denn die Stellenbeschreibung eines Ortschefs klingt nicht besonders reizvoll: Erwartet werden Redegewandtheit, absolute Heimatverbundenheit und viel freie Zeit. Geboten werden ein kleiner Ehrensold, meist leere Kassen, eine erdrückende Aufgabenlast und eine überalterte Bevölkerung. Und dennoch sind Rath und Rüddel zusammen mit mehr als 2000 Kandidaten im Land fest davon überzeugt, dass sie am 7. Juni mit dem Ehrenamt des Ortsbürgermeisters so etwas wie einen Traumjob anvertraut bekämen.

Fakt ist, dass ein Bürgermeister vor allem zu seiner Ortsgemeinde passen muss. Denn jeder Ort hat seine ganz ureigenen Vorzüge und Probleme. Jede Gemeinde ist ein Original für sich. Und mangelnde Originalität kann man weder Rüddel noch Rath vorwerfen. Um sich 45 Jahre als Ortsbürgermeister in Windhagen zu behaupten oder bereits mit 20 Jahren in den Hillscheider Ortsgemeinderat einzuziehen, muss man schon ein bisschen aus der Rolle fallen.

Aber müssen es gerade ein Jungspund und ein Rentner sein, die unsere Kommunen in die Zukunft führen? "Aber klar. Wir bringen doch alles Nötige dafür mit", geben sich beide Männer erst mal selbstbewusst. Es ist schließlich Wahlkampf. Zeit, die eigenen Stärken zu demonstrieren und Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Etwa das Vorurteil, dass Bürgermeister vor allem eines tun: stundenlang Reden schwingen. In epischer Länge. Rüddel und Rath hingegen erzählen vom Zuhören. Ihrer Meinung nach die wichtigste Eigenschaft, die ein Bürgermeister beherrschen muss. Immer und zu jeder Zeit. Denn weder in Windhagen noch in Hillscheid kann man sich als Ortschef hinter Sprechstunden und Bürozeiten verstecken.

 

"Wenn die Bürger etwas auf dem Herzen haben, dann stehen sie auch zur Not bei mir zu Hause auf der Matte", sagt Rüddel, der oftmals Politiker, Mediator und Seelsorger in Personalunion ist.

Rath muss sich diesen Status noch erarbeiten. Er klingelt deshalb seit Anfang Februar an den Haustüren in seinem Wahlbezirk. "Klinkenputzen" nennt man das. 2000 hat er schon geschafft. Ist durch Schnee und Regen marschiert und hat dafür viel zu hören bekommen. Nicht nur Komplimente. Er klingelt bei wohlhabenden Familien wie auch Hartz-IV-Empfängern. Manchmal muss er stundenlang einfach nur zuhören, einmal beschimpft ihn ein Mann und wirft ihn aus der Wohnung. Solche Erlebnisse hakt der 30-Jährige ganz schnell ab. Schlaflose Nächte bereitet ihm das nicht.

Auch Rüddel hat einen gesunden Schlaf - seiner Gemeinde geht es schließlich gut. Windhagen, das 4300-Seelendorf an der A 3, hat ein jährliches Haushaltsvolumen von rund 20 Millionen Euro; dank Firmen wie dem weltweit agierenden Baumaschinenhersteller Wirtgen. In Ortsgemeinden gleicher Größenklasse liegt die durchschnittliche Steuerkraft pro Einwohner bei gerade mal einem Sechstel. Die Gemeinde ist seit fast 20 Jahren schuldenfrei.

"Es war mir eben immer wichtig, sehr sorgfältig mit Geld umzugehen", kommentiert Rüddel schlicht und fügt im nächsten Atemzug charmant lächelnd hinzu: "Sparsamkeit, Herr Rath, das kann ich Ihnen als künftiger Bürgermeister einer Gemeinde nur ans Herz legen." Dann sei wenigstens ein bisschen mehr drin, als nur die Pflichtaufgaben und Auftragsangelegenheiten.

Doch auch im 2600 Einwohner großen Hillscheid hält sich das finanzielle Elend in Grenzen: Die Gemeinde verfügt über eine fast drei Mal so große Steuerkraft pro Einwohner wie Kommunen gleicher Größenordnung - dank eines ebenfalls florierenden Gewerbegebiets. Anders als Windhagen kämpft Hillscheid zwar mit einem Schuldenberg, doch in moderater Höhe.

Genau wie Windhagen und Hillscheid sind sich Rath und Rüddel trotz aller Unterschiede auf den zweiten Blick erstaunlich ähnlich. Die beiden Kandidaten zumindest verstehen sich blendend, finden sofort einen Draht zueinander. Dabei könnte der eine der Großvater des anderen sein. Sogar, dass Rüddel der CDU angehört und Rath der SPD, ist für die beiden Kandidaten nebensächlich. Die Frage nach der politischen Gesinnung fällt erst 20 Minuten nach dem Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten.

 

Dass er in der SPD sei, mache doch nichts, meint der Alte zum Jungen gönnerhaft. Außerdem: "Mit Geschick und Gefühl kann ich auch die Grünen integrieren."

Kleine Nadelstiche nach links und rechts verteilt Rüddel ab und zu gern. Meist nebenbei und unvermittelt. Aber nie unter der Gürtellinie, sondern so charmant, dass es seinen Gesprächspartner zum Schmunzeln bringt. So wie sein Händedruck ganz individuell lange dauert, so nimmt er sich auch diese Freiheit.

Windhagens Bürgermeister bleibt dabei immer ein Realist. Er analysiert Sachverhalte und Probleme nüchtern und ohne Emotionen. So gesteht er Rath auch zu, die besseren Voraussetzungen zu haben, um Bürgermeister zu werden - wegen seines Studiums an der Universität Bonn. Die Fächer Politik, Geschichte, Staats- und Verwaltungsrecht hat Rath dort belegt. Rüddel hingegen hat sein Leben lang mit seinen Händen gearbeitet, Äcker umgegraben, geerntet, gepflanzt und das Vieh gefüttert. Seinen Hof hat er vor drei Jahrzehnten aufgegeben - seine drei Söhne hatten andere Pläne. „Dafür können Sie heute mit Pfunden wie Ihrem Alter und Ihrer Erfahrung wuchern“, schmeichelt Rath dem Älteren - allerdings nicht ohne ein leises Seufzen. Der 30-Jährige hat sich zwar mittlerweile an seine Rolle als jüngstes Ratmitglied gewöhnt und fühlt sich von seinen Ratskollegen ausnahmslos respektiert, „doch ich muss mich immer besonders gut vorbereiten, um ernst genommen zu werden“.

Was wird der 84-Jährige eigentlich machen, wenn er nicht gewählt wird? „Dann nehme ich das so an und beginne mein Rentnerleben“, sagt er und blickt ernst über seinen Brillenrand. Bürgermeister sein sei schließlich nur ein Hobby - wenn auch ein sehr schönes. Es gibt wohl kaum ein Thema, bei dem sich der 84-Jährige aus der Ruhe bringen lässt. Noch nicht einmal die demografische Entwicklung: In Hillscheid wie in Windhagen sinken die Einwohnerzahlen langsam aber stetig, und es steigt der Anteil der über 65-Jährigen. Da liegen beide Gemeinden voll im Negativtrend.

Eine Entwicklung, gegen die wohl auch keine florierenden Gewerbegebiete helfen werden, glaubt Rath. „Das würde ich nicht so sagen. Zusammen mit attraktiven Neubaugebieten lässt sich hier durchaus was tun“, entgegnet Rüddel und erntet dafür den ersten kritischen Blick seines 54 Jahre jüngeren Kollegen. Rath setzt eher auf eine bessere Lebensqualität im Ortskern. Doch statt sich hier auf eine möglicherweise kontroverse Diskussion einzulassen, verwickelt Rüddel den 30-Jährigen geschickt in ein harmonisches Geplänkel über das mögliche Potenzial des Mehrgenerationenwohnens.

Wie sie mit Gesprächen und Diskussionen umgehen müssen, die hier und da auch mal schwieriger verlaufen, das kennen beide ja schließlich schon aus den Ratssitzungen. In Hillscheid beispielsweise herrsche kein Kuschelkurs, sondern eine „gepflegte Streitkultur“. Nicht anders in Windhagen - und doch sollte in Rüddels Rat trotz aller Meinungsverschiedenheiten am Ende Einigkeit herrschen: „Ich kann mit Stolz sagen, dass unter mir mehr als 90 Prozent der Entscheidungen einstimmig gefallen sind.“ Einen Kompromiss zu finden, mit dem am Ende alle Beteiligten einverstanden sind, sei ihm besonders wichtig, betont der 84-Jährige mehrmals.

Rüddel und Rath: zwei Kandidaten, einer jung und der andere alt. Beide halten ihr Ortsschild hoch. Und beide stehen symbolisch für 1251 Menschen im nördlichen Rheinland-Pfalz, die sich als ehrenamtliche Ortsbürgermeister in 960 Gemeinden bewerben und deren Namen in der kommenden Woche auf den Wahlzetteln zu finden sind. Jeder für sich mit individuellen Vorstellungen und Wünschen. Doch das ist nicht selbstverständlich. Ehrenamtliches Engagement braucht Zeit. Zeit, die nicht jeder Mensch hat oder für ein Bürgermeisteramt aufbringen möchte. In immerhin 137 Ortsgemeinden hat sich bis heute kein Bürgermeisterkandidat gefunden.

DENISE BERGFELD
SINE WEISENBERGER

Quelle: Westerwälder Zeitung vom 30.05.2009, Seite 57

 

Veröffentlicht am 02.06.2009

 

 

Erwin Rüddel in der Bonnner Rundschau, 21. Dezember 2005

In der Politik Bodenhaftung nicht verlieren

Der Landtagsabgeordnete Erwin Rüddel (CDU) wird 50 - Karnevalist und Ahnenforscher

von CARSTEN SCHULTZ

KREIS NEUWIED . Wenn jemand gleichzeitig in einem Gemeinderat, einem Kreistag und im Landtag sitzt; wenn er zudem einen Ortsverband führt und dem Landesvorstand einer Partei angehört; wenn er sich im örtlichen und überregionalen Karneval engagiert; wenn er außerdem für ein 140-Mann-Unternehmen verantwortlich ist und eine Familie mit zwei Kindern hat - dann drängen sich zwei Fragen auf. Erstens: Wie macht er das, wenn auch sein Tag nur 24 Stunden hat? Und zweitens: Warum das Ganze?

"Ich kann sehr gut delegieren", beantwortet Erwin Rüddel die erste Frage. Und schiebt sofort nach, dass er sich dabei nicht nur auf gute Leute, sondern vor allem auf seine Familie verlassen kann. Die Antwort auf Frage zwei charakterisiert den Mann, der im kleinen Westerwald-Ort Hüngsberg (45 Einwohner) aufgewachsen ist und noch heute wohnt, aber wohl am besten. "Ich kann nicht gut sehen, dass bei Dingen nichts passiert, die ich wichtig finde."

Also engagiert er sich, stößt Entwicklungen an. Dass Erwin Rüddel, der heute (21. Dezember) seinen 50. Geburtstag feiert, dabei besonders die Politik im Auge hat, liegt wohl auch an seiner Herkunft. Als er im Jahr 1955 geboren wird, ist sein Vater Josef Rüddel erstmals in den Windhagener Gemeinderat eingezogen. 1963 wurde der Vater Bürgermeister von Windhagen - und er ist es immer noch. Junior Erwin Rüddel ist derweil heute nicht nur für die CDU Landtags-, Kreistags- und Landesvorstandsmitglied, sondern auch im Ortsgemeinderat Windhagen. Und er ist seit 2004 als 1. Beigeordneter Stellvertreter seines Vaters.

Keine Ämtervererbung

Das Wort "Dynastie" mag Erwin Rüddel aber nicht so gerne hören, auch wenn sein Sohn Alexander (21) das politische Engagement bereits fortführt und derzeit JU-Gemeindeverbandsvorsitzender in Asbach ist. Als Erwin Rüddel 1984 erstmals für den Gemeinderat kandidierte, habe er sich bewusst auf den letzten Listenplatz setzen lassen, betont der 50-Jährige im Gespräch mit der Rundschau. Doch die Wähler hätten ihm so viele Personenstimmen gegeben, dass er auf Anhieb das zweitbeste Ergebnis bekommen habe. Keine Ämtervererbung also, sondern Wählerwille.

Mit der Jungen Union fing Erwin Rüddel an. 1972 war das, als es "Willy wählen" hieß und die SPD im Asbacher Land stärker wurde. Da wollte er dagegen halten. Es folgten diverse politische Ämter und schließlich - nach einer kurzen Nachrückerzeit Anfang 1987 - seit 1998 der Sitz im Mainzer Landtag, den er im März 2006 verteidigen will.

Kein Berufspolitiker

Aber der 50-Jährige setzt bewusst nicht nur auf Politik: "Bodenhaftung ist mir wichtig. Bei allem politischen Engagement möchte ich kein Berufspolitiker werden", schreibt er auf seiner Homepage. Rüddel ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter einer Senioreneinrichtung in Nordhessen. Er ist dort verantwortlich für 140 Beschäftigte, die sich um die fast 200 Menschen (96 vollstationäre Plätze und 94 Plätze Betreutes Wohnen) kümmern.

Trotzdem findet Rüddel Zeit, sich in insgesamt 35 Vereinen und Organisationen zu engagieren. Besonders im Karneval. Eine Wand seines Hauses in Hüngsberg, das direkt neben dem Hof seines Vaters liegt, ist rappelvoll mit Karnevalsorden. Gezählt hat Rüddel sie noch nie, aber es sind mit Sicherheit Hunderte.

Stammbaum reicht bis 1560

Im Treppenhaus hängen derweil einige Schwarz-Weiß-Fotos seiner Vorfahren, zum Beispiel der Urgroßeltern. Ahnenforschung ist eines von Rüddels Leidenschaften. "Das ist wie das Lösen eine Kriminalfalls", gerät der 50-Jährige ins Schwärmen. Bis 1560 hat er seinen Stammbaum schon komplett. Wenn es ihm nun noch gelinge, eine Lücke von 60 Jahren - natürlich wissenschaftlich fundiert - zu schließen, könne er seinen Ahnen bis ins 12. Jahrhundert zurück verfolgen. "Wenn das so wäre", sagt Rüddel schmunzelnd, "hätte ich ,blaues Blut´ in meinen Adern."

 

Internetbeitrag über Johann Rüddel

Die Geschichte

Am 14. Januar 1921 wurde der Sportverein Windhagen gegründet. Er trug damals den Namen DJK (Deutschen - Jugend - Kraft). In den Gründerjahren stand dem Verein Dechant Hünseler als Präses vor. Gründungsmitglieder waren u. a. Peter Marnette, Wilhelm Saal, Karl Marnette und Johann Rüddel. Anfangs wurden die Sportarten Handball, Schleuderball und Leichtathletik betreiben. In der Zeit von 1928 - 1930 machte man sich aber schon Gedanken, eine Fußballmannschaft zu gründen. Trainiert wurde auch schon fleißig für diese Sportart. Am 30. August 1930 zogen dann die Gebrüder Böttcher nach Windhagen. Sie kamen aus dem Kohlenpott (Duisburg) und dort konnte ja bekanntlich jeder Junge mit dem Ball umgehen. Jetzt stand auch in Windhagen eine Fußballmannschaft. Von den anderen Sportarten sprach bald keiner mehr. Die Windhagener Fußballjugend war gerade toll darauf, mit den "Böttchers Jungen" in einer Mannschaft zu spielen. Auch mit dem Ausbau des Sportplatzes ging es aufwärts. Was vorher noch eine Heidelandschaft war, die nach und nach gerodet worden ist

Mannschaftsbild der Schleuderballmannschaft
aus den Gründerjahren:

 

H. Manns, A. Wirtgen, P. Schmitz, J. Rüddel, J. Lenzgen, H. Schmitz, W. Schmitz, Max Lenzgen, W. Hecken

(in Selbsthilfe) daraus wurde jetzt ein richtiger Sportplatz, dessen Größe mit 105 x 65 m sich schon sehen lassen konnte. Mit großem Eifer war man bei der Sache. Es war ja bekanntlich die schreckliche Erwerbslosenzeit. Das Material stellte die BAG, während Einzäunung und Torstangen von der Kirche zur Verfügung gestellt wurden. Im ersten Spiel nach diesem Sportplatzausbau war dann die DJK Bendorf in Windhagen zu Gast. 1:0 siegten unsere Männer und das war Anlass, weitere große Taten zu vollbringen. Eines sei noch herausgegriffen: 1933 wurde Windhagen Sieger der Bezirksgruppe Asbach.
Im Jahre 1934 wurde dann die DJK durch das neue Regime aufgelöst und in "Reichsbund für Leibesübungen" umbenannt. Alle Sportartikel sind beschlagnahmt worden. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges wurde unter "neuem Namen" weiter Fußball gespielt, aber durch den Einzug der Spieler zur Wehrmacht fiel es dann schwer, eine Mannschaft zu st
ellen. Während des Krieges wollte man noch retten was zu retten war und machte mit Rottbitze eine Fusion. Diese konnte man aber bald als gescheitert ansehen, da fast alle Spieler Soldat werden mussten. Der Spielbetrieb ruhte jetzt bis Ende 1945. Die schrecklichen Verwüstungen noch vor den Augen, machten sich einige Männer heran, dass in Windhagen wieder Fußball gespielt werden konnte. Große Verdienste erwarben sich hier Peter Kroheck, Peter Hurtenbach, Josef Weinberg, Heinrich Heidt, Willi Potratz, Hans Rüddel und Fritz Hecken, dazu Hugo Böttcher und Wilhelm Junen. Es war nicht einfach, eine Elf zu stellen, denn der Krieg hinterließ große Wunden. Man schaffte es aber und der Sportverein trug von nun ab den Namen "S.V. Eintracht Windhagen".

 

 

Pressebericht über Josef Rüddel, Bürgermeister von Windhagen WW

FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND – Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Aus der FTD vom 16.05.2008
© 2008 Financial Times Deutschland, © Illustration:

 

Der Weltmarktverführer

von Lorenz Wagner (Windhagen)

Die Geschichte des Dorfes Windhagen klingt wie ein Märchen: Allein drei Weltmarktführer sitzen hier, Dutzende Firmen, und jedes Jahr kommen neue hinzu: Aber es ist kein Märchen. Es ist die Geschichte eines Mannes, der ein einzigartiges Hobby hat.

Irgendwo im Nirgendwo, zwischen Siebengebirge und Westerwald liegt ein Landstrich, in dem der Wind von vier Seiten pfeift und die Menschen lieber Kartoffeln als Blumen pflanzen. Die Hügel sind karg, die Äcker steinig, den Dörfern fehlt es an Licht und Trottoirs. Doch mitten in diesem toten, vergessenen Land liegt ein Dorf, das so anders ist als die anderen: Windhagen. Seine Gassen sind geputzt, die Kirche leuchtet, und am Marktplatz plätschert ein Brunnen vor sich hin. Josef Rüddel, der Bürgermeister, hat wahrlich viel vorzuweisen, wenn Besucher kommen. Und es kommen viele. Sogar der Dalai Lama war in Windhagen.

Am liebsten aber zeigt Rüddel den Gästen nicht das adrette Kirchdorf, nein, sein Mercedes biegt schon weit vorher ab, in eine Straße hinein, auf der matschige Reifenspuren kleben und sich Dieselgestank mit Landluft mischt. Hier gibt es ein Wunder zu erleben. Das Wunder von Windhagen.

"Dort links", sagt Rüddel mit rheinischer Singsangstimme, "liegt die Firma Batex, eine Topfirma, die machen Badezimmergarnituren, ich sage Ihnen, das läuft sehr gut. Daneben, das ist Noma, auch eine Superfirma, die machen Getriebe. Hier rechts, Noelken, Hygienesachen, die müssen jetzt erweitern. Dort die Firma Kornmeyer, Grafitverarbeitung, ich sag Ihnen, da läuft es, die sind doppelt so groß, wie sie mal waren, die Tennishalle da oben gehört ihnen auch. Da unten ist Geutebrück, Sicherheitstechnik, die sind Weltmarktführer. Und hier diese Firma, die macht nur Paletten für die anderen. Die Baustelle dort, da legen wir gerade Breitbandkabel. Und rechts die freie Fläche ist schon verkauft, an JK Ergoline, die sind Weltmarktführer für Solarien. Auch die Wiese links haben wir verkauft, die Firma kommt in einem Jahr, wir haben schon mal einen Wendehammer gebaut. So, und jetzt fahren wir zu Wirtgen. Auch eine Superfirma, Weltmarktführer, die beschäftigen hier mehr als 1200 Menschen."

 "Mein Hobby ist es, Firmen anzusiedeln"

Josef Rüddel sitzt vor dem neuen Firmengelände der Firma Wirtgen, einem der drei Weltmarktführer in Windhagen

 Josef Rüddel sitzt vor dem neuen Firmengelände der Firma Wirtgen, einem der drei Weltmarktführer in Windhagen

Der Bürgermeister redet und redet, dabei bräuchte er nur zu schweigen und zu fahren, man staunt auch so, über dieses Dorf. 600 Menschen leben in Windhagen, rechnet man die sechs Nachbardörfer ein, sind es 4500. Und doch ist Windhagen der Sitz von Dutzenden Firmen und gleich dreier Weltmarktführer. Und sie haben nicht zusammengefunden, weil sie Märkte und Wissen teilen, weil sie sich an ein Cluster, an ein Netz an Firmen und Forschern anschließen wollten. Sie sind nach Windhagen gekommen, weil das Dorf ihnen etwas bietet, was in Deutschland selten geworden ist: Freiheit.

Begonnen hat alles mit einem kleinen Mann mit weißem Haar, roter Haut und fleischigem Gesicht: Josef Rüddel. Er ist 83 Jahre alt und hat ein eigentümliches Freizeitvergnügen: "Mein schönstes Hobby ist es, Firmen anzusiedeln."

Als ihn die Windhagener vor 45 Jahren zum ersten Mal zu ihrem Bürgermeister wählen, ist ihr Dorf so arm wie die anderen in der Gegend. Gott scheint sie beim Verteilen seiner Schätze vergessen zu haben. Nur Wind und Steine haben sie im Überfluss, sie wurschteln auf ihren Höfen vor sich hin, nur von Zeit zu Zeit kommt etwas Glanz in die Gemeinde. Die Vorstände von Bayer haben die Jagd gepachtet.

Eines Tages hört der Bürgermeister, dass die Bayer-Tochter Agfa aus Leverkusen wegwill. Nach Bad Honnef, heißt es, keine 20 Kilometer von Windhagen entfernt. Also setzt er sich zu den Herren, trinkt einen mit und macht sie "parat", wie er es nennt: Sie brauchen Land? Besorge ich Ihnen. Straßen? Bauen wir. Elektrik und Wasser? Kein Problem! Genehmigungen? Sie scherzen! Gewerbesteuer? Sie werden erfreut sein!  

Der Weltmarktverführer

von Lorenz Wagner (Windhagen)

Von nun an lockt Rüddel Firmen nach Windhagen, kleine Betriebe, Mittelständler, größere Firmen, alle im Ort verdienen mit, der Schmied, der Krämer, das "Hotel zur Post", und das Dorf, die Windhagener verändern sich. Was als Ansiedlung begonnen hat, wird zu einer Inspiration, in einige Einheimische fährt der Unternehmergeist, allen voran in Reinhard Wirtgen, der einen Betrieb für Baumaterialien gründet und Straßenfräsen baut - ein Zukunftsgeschäft in den Wirtschaftswunderjahren.

Der Bürgermeister hilft, wo er kann, besorgt Grundstücke, setzt sich mit dem neuen Freund zusammen. Sie planen und bauen, und die Firma wächst, und Windhagen wächst mit, das Dorf baut die Schulden ab und ist mit seinem Überfluss an Bauland und Mangel an Bürokratie bald ein Geheimtipp für Unternehmer. Und wer es noch nicht weiß, dem erklärt es Rüddel auf seine ganz besondere Art.

Eines Tages gesellt er sich in einer Bar zu Thomas Geutebrück. Der Gründer baut Sicherheitskameras, und sein Erfolg ist so groß, dass die Firma in ihrem Werk in Bad Honnef schier erstickt. Rüddel erzählt ihm, wie gut sich in Windhagen Geschäfte machen ließen, und verrät Geutebrück auch sonst alles Mögliche, etwa wo und wann er am besten anrufe - nur eine Sache, die verschweigt er: dass er der Bürgermeister der Gemeinde ist, auf die er gerade eine Ode singt. "Sie kenn ich doch!", staunt der Angelockte, als er sich nach einigen Telefonaten mit den Gemeinderäten trifft.

Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

"Es war ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten", sagt Katharina Geutebrück, die heutige Chefin. "So viel Platz, wie wir wollen, voll angeschlossen, für 15 Mark den Quadratmeter." Bad Honnef wollte 60 Mark. Und Windhagen liegt zwar in der Einöde, ist aber leichter zu erreichen als manche Stadt. Bis zur Autobahn sind es drei Kilometer, bis zum ICE-Bahnhof Siegen 30 Autominuten, bis zum Flughafen Köln-Bonn 40 Kilometer.

Von hier lassen sich leicht Geschäfte machen, sogar für Weltmarktführer. Da sind Ergoline, dessen Solarien zwei von drei Verbraucher kennen. Und Geutebrück, der in seiner Branche Siemens und IBM übertrumpft und im Mittleren Osten wächst. Und Wirtgen, der mehr als 1 Mrd. umsetzt und Rüddel bei seiner Besichtigungsfahrt den Stolz in die Stimme treibt.

Nur ungern lässt Wirtgen Fremde auf sein Gelände. Aber Rüddel braucht nur zu winken, schon schwingt das Tor auf. Haushohe Fräsen in militärischer Reihe. "Das sind Klamotten, gewaltig", sagt der Bürgermeister. Und er erzählt vom Aufstieg der Firma, als sei sie seine eigene, zeigt die Garage, in der alles begonnen hat, fährt weiter zum neuen Firmengelände, das Wirtgen von Agfa gekauft hat. "Wenn wir fertig sind, sind das 40 Hektar. Das alles kommt weg." Er deutet auf ein Häuschen. "Die kriegen ein neues Haus. Ist alles in der Mache, alles in der Reihe."

 Der Weltmarktverführer

von Lorenz Wagner (Windhagen)

Alles in der Mache, alles in der Reihe - daraus entspringt Windhagens Erfolg. Auch andere Orte haben in ihrer Nähe Bahnhof, Autobahn und Flughafen. Aber sie haben keinen, der alles in die Reihe bringt. "Ohne Herrn Rüddel wäre das alles nicht möglich gewesen", sagt Katharina Geutebrück. Und Reinhard Wirtgens Sohn Jürgen lobt das "oft unkonventionelle Vorgehen" Rüddels. "Die Wege sind kurz und direkt. Der Standort Windhagen ist so erst groß geworden."

Lob überall. Und gar keine der üblichen Unternehmerklagen: über Bürokratie und Vorschriften, über Sachzwänge und den Menschen, der in Strukturen gefangen sei.

"Die Windhagener sind bereit, etwas anzupacken. Und dabei wird uns geholfen. Hier haut dir keiner die Paragrafen um die Ohren", sagt Martin Buchholz, ein Mittelständler, der alle zwei Jahre eine Gewerbeschau organisiert. Zuletzt haben 141 Firmen mitgemacht, es kamen 15.000 Besucher.

Und so weht ein besonderer Geist durch das Dorf. Der Windhagener ist frei. Für jeden, na ja, für fast jeden sächlichen Zwang gibt es einen menschlichen Ausweg. "Wir haben nicht so gerne mit Verordnungen zu tun", sagt Josef Rüddel. "Wir reden lieber mit den Leuten." Und ärgert sich ein Chef beim Kaffee darüber, dass er den Teich auf dem Firmengelände einzäunen muss, so kauft ihm die Gemeinde den eben ab.

Vielleicht ist es eine Frage der Generation. Rüddels Tun hat etwas von Wirtschaftswunder-Gebaren. Erst machen, dann fragen. Während der Nachbarort noch überlegt, ob er eine Taxikonzession vergibt, macht Rüddel dem Antragsteller schon ein Angebot. "So ist unser Josef", sagt der Taxiunternehmer. Die gleichen Worte sagt ein Chef, der vor einiger Zeit schnell anbauen wollte. "Da hat er gesagt: Fang einfach an, ich kümmere mich um die Genehmigung." Und er kriegte sie. Wenn Rüddel einen Baurat fürchtete, ging er eben zu dessen Sekretärin. Frauen können ihm nichts abschlagen, heißt es im Dorf.

So macht Rüddel seine Politik, so wird er seit vier Jahrzehnten gewählt und trotzt den Kritikern im Dorf, die sagen, Windhagen habe seine Tradition verkauft, sei von Firmen umzingelt und Enteignungen habe es auch gegeben. "Es ging immer ohne", widerspricht Rüddel. "Verfahren eingeleitet ja. Aber wir haben sie nie durchgezogen."

 Der Weltmarktverführer

von Lorenz Wagner (Windhagen)

"Rüddel ist ein Schlitzohr", sagt ein befreundeter Architekt. - "Adenauer war auch ein Schlitzohr", sagt der Bürgermeister. "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern." Er hat viele solcher Sprüche drauf: "Das Geld gehört in die Wirtschaft. Wie schon Ludwig Erhard sagte." Gerade baut die Gemeinde für Wirtgen einen Tunnel. Und gerade hat sie die Gewerbesteuern gesenkt, um 20 Prozentpunkte.

Windhagen kann es sich leisten, hat einen Haushalt von 20 Mio. Euro. "Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen." Rüddel beugt sich vor, leckt die Lippen. Gleich zwei Kitas hat das Dorf, ein Designhotel, einen Golfplatz, ein Stadion mit Kunstrasen und eine Leichenhalle mit Platz für 80 Leute. Und da ist das Forum, der Bürgertreff mit 1500 Parkplätzen davor, oben, am höchsten Punkt Windhagens: ein Fest aus Glas und Beton, mit Sektbar und Spiegelsaal, Fußbodenheizung und 28-Meter-Bühne. "Wenn wir was machen, dann richtig", sagt Josef Rüddel beim Rausgehen.

Unten liegt das Dorf. Kleine Lichter im Kirchdorf, Flutlichter im Gewerbegebiet. "Früher war alles dunkel." Schweigen. Der alte Mann schaut auf sein Dorf.

Wie soll es weitergehen? 83 Jahre ist er alt. Im nächsten Jahr ist Wahl. Eigentlich wollte er aufhören. Aber er zaudert. "Noch ist ja nicht alles geregelt. Wir müssen dafür sorgen, dass die Firmen die nächsten 40 Jahre bleiben. Und der Wohnungsmarkt muss sich entwickeln. Und ich muss den Nachfolger einarbeiten. Dass es weitergeht. Um Gottes willen, es darf nicht zu Ende gehen."

Ein Kandidat wäre Rüddels Sohn Erwin. Er ist Beigeordneter im Gemeinderat. Aber Erwin hat Pläne. Er will in den Bundestag.

Vielleicht erlebt nach Windhagen nun auch Deutschland ein Wunder...

 

 

Zeitungsbeiträge über Lars Rüddel und sein Handwerk

Gesellenprüfung

Lars Rüddel

"Trierischer Volksfreund"

August 1993

 

   

Millenium-Meisterprüfung

Lars Rüddel

Landessieger Saarland

"Saarländisches Wochenblatt"

August 2000